Die Ausbilderschein-Prüfung wirkt auf Anfänger wie ein komplizierter Prozess mit vielen Etappen. Aber wenn man ihn in einzelne Schritte zerlegt, ist es überschaubar. Dieser Artikel führt dich von der Anmeldung bis zur Urkunde und erklärt dir, wann was passiert und worauf du achten musst.

Wie läuft die Ausbilderschein-Prüfung insgesamt ab?

Die Ausbilderschein-Prüfung (formal: Ausbildereignungsprüfung nach AEVO) ist zweistufig. Das heißt, es gibt zwei getrennte Teile, die du beide bestehen musst.

Der erste Teil ist die schriftliche Prüfung. Das ist eine klassische Klausur mit 60 bis 70 Fragen, die du in drei Stunden beantwortest. Hier wird dein Faktenwissen und dein Verständnis der Ausbildungsinhalte geprüft.

Der zweite Teil ist die praktische Prüfung. Hier musst du selbst eine echte Unterweisungssequenz (eine sogenannte "Ausbildungseinheit") durchführen. Dabei beobachten dich Prüfer und bewerten, wie gut du ausbilden kannst. Das ist die Bühne, auf der dein Handwerk gezeigt wird.

Beide Teile müssen bestanden werden. Es reicht nicht, die schriftliche Prüfung zu bestehen und die praktische zu vergeben. Umgekehrt brauchst du auch nicht zu warten, bis du beide anmeldest – du kannst die schriftliche machen, und wenn sie bestanden ist, zur praktischen anmelden.

Das Gesamtverfahren dauert typischerweise drei bis sechs Monate von der Anmeldung bis zur Urkunde. Das hängt davon ab, wie schnell du dich vorbereiten kannst und wann die nächsten Prüfungstermine sind.

Schritt 1: Anmeldung bei IHK/HWK

Der erste Schritt ist die Anmeldung bei deiner zuständigen IHK (Industrie- und Handelskammer) oder HWK (Handwerkskammer). Es ist wichtig, dass du die richtige Institution ansprichst. Grundsätzlich: Handwerksbetriebe melden sich bei der Handwerkskammer an, alle anderen bei der IHK. Es gibt aber Überschneidungen – manche Berufe sind Grenzberufe. Im Zweifelsfall fragst du einfach bei beiden an.

Die Anmeldung läuft meist online über die Website der Kammer. Du musst ein Formular ausfüllen mit deinen Daten, dem Beruf, in dem du ausbilden möchtest, und optional bereits deinen Wunschtermin für die schriftliche Prüfung angeben. Es kann aber auch sein, dass deine Kammer noch Papiergformulare akzeptiert oder sogar bevorzugt.

Mit der Anmeldung fallen Gebühren an. Diese liegen typischerweise zwischen 150 und 250 Euro für die komplette Prüfung (schriftlich + praktisch), können aber je nach Kammer variieren. Du bezahlst die Gebühr bei oder nach der Anmeldung.

Wichtig: Manche Kammern haben Anmeldungsfristen. Du musst dich oft zwei bis vier Wochen vorher anmelden. Versäume diese Frist nicht – sonst darfst du erst beim nächsten Termin dabei sein.

Bei der Anmeldung brauchst du typischerweise folgende Unterlagen: einen Personalausweis oder Reisepass, einen Nachweis über die erforderliche berufliche Praxis (Arbeitsvertrag, Beschäftigungsbestätigung) und eventuell einen Nachweis der Teilnahme an einem Kurs (wenn du einen Kurs besucht hast). Manche Kammern wollen auch eine medizinische Bescheinigung, dass du für den Beruf geeignet bist – das ist aber selten.

Nachdem deine Anmeldung akzeptiert wurde, bekommst du eine Bestätigung. Diese solltest du aufbewahren. Darin sind meist schon deine Prüfungstermine vermerkt – oder sie werden dir in einem separaten Schreiben mitgeteilt.

Schritt 2: Schriftliche Prüfung – was passiert wann?

Der schriftliche Prüfungstermin ist normalerweise an einem Vormittag – oft von 9 bis 12 Uhr oder 8.30 bis 11.30 Uhr. Manche Kammern führen auch mehrere Termine pro Monat durch.

Etwa zwei Wochen vorher bekommst du ein Prüfungsbestätigung (bei manchen Kammern auch "Zulassungsbestätigung" genannt). Darin sind Uhrzeit, Ort und evtl. deine Kandidatennummer vermerkt. Du brauchst diese Bestätigung zur Prüfung, also behüte sie sorgfältig.

Am Prüfungstag selbst solltest du etwa 15 Minuten früher da sein. Du meldest dich an, legst deinen Personalausweis vor und bekommst gesagt, in welchen Raum du gehst. Der Prüfungsleiter erklärt dir die Prüfungsregeln: Handy aus, keine Hilfsmittel, Toilettengänge kurz und ohne Unterlagen.

Dann bekommst du die Prüfung. Es ist ein Heft oder ein Blatt mit allen Fragen – typischerweise 60 bis 70 Fragen. Du bekommst auch Papier und einen Stift zum Notizenmachen. Der Prüfungsleiter sagt: "Los geht's!", und die Uhr läuft.

Die Fragen sind gemischt: Multiple-Choice-Fragen und Situationsaufgaben durcheinander. Du kannst in beliebiger Reihenfolge arbeiten – manche Menschen machen zuerst alle einfachen Fragen, andere arbeiten der Reihe nach. Das ist deine Entscheidung.

Nach drei Stunden ist Schluss. Der Prüfungsleiter nimmt die Prüfung ein, und du darfst gehen.

Die Bewertung dauert typischerweise eine bis zwei Wochen. Dann bekommst du ein Schreiben mit dem Ergebnis. "Bestanden" oder "nicht bestanden". Manche Kammern geben auch die Punktzahl an, manche nicht.

Wenn du bestanden hast, kannst du dich zur praktischen Prüfung anmelden. Wenn du nicht bestanden hast, hast du beim nächsten Termin die Möglichkeit, es nochmal zu versuchen. Die Gebühr für den Wiederholungsversuch ist normalerweise geringer.

Schritt 3: Praktische Prüfung – Ablauf im Detail

Die praktische Prüfung ist das Herzstück und gleichzeitig das, das viele Menschen am meisten nervös macht. Hier musst du zeigen, dass du nicht nur Theorie kennst, sondern auch praktisch unterweisen kannst.

Die praktische Prüfung besteht aus zwei Teilen: der Durchführung einer Ausbildungseinheit und einem anschließenden Fachgespräch.

Bei der Durchführung der Ausbildungseinheit musst du selbst als Ausbilder tätig werden. Du bekommst eine realistische Situation: Du sollst einem (simulierten) Auszubildenden etwas beibringen. Die Sequenz dauert etwa 15 bis 25 Minuten. Zum Beispiel: "Zeige, wie man dieses Werkzeug richtig benutzt" oder "Erkläre, wie man diese Datenbank bedient". Du bestimmst selbst, wie du das machst – welche Methoden du wählst, wie du vorgehst.

Während du unterweist, sitzen zwei oder drei Prüfer im Raum und beobachten. Das ist anfangs verstörend, aber du gewöhnst dich daran. Die Prüfer machen Notizen. Sie schauen, ob du Lernziele vermittelst, ob du strukturiert vorgehst, ob du den Azubi aktiv einbeziehst, ob du Feedback gibst. Kurzum: Ob du gut ausbilden kannst.

Nach der Unterweisungssequenz, nach etwa 15 Minuten, findet ein Fachgespräch statt. Das ist kein Verhör, sondern ein strukturiertes Gespräch von etwa 15 Minuten. Die Prüfer stellen dir Fragen zu dem, was du gerade gemacht hast: "Warum hast du diese Methode gewählt?" "Wie hättest du reagiert, wenn der Azubi das nicht verstanden hätte?" "Wie würdest du Lernerfolg überprüfen?" Ziel ist, zu verstehen, dass du nicht nur spontan gehandelt hast, sondern dass dahinter eine Methodik und ein Verständnis steckt.

Das Prüfungsgremium besteht typischerweise aus zwei oder drei Personen: einem Prüfer mit pädagogischem Hintergrund und einem oder zwei Prüfern mit praktischem Hintergrund aus deinem Bereich. Das ist wichtig: Sie beurteilen dich als Ausbilder, nicht als Fachperson.

Die praktische Prüfung findet in der Regel in den Räumlichkeiten der Kammer statt, manchmal auch im Betrieb. Du bekommst alle nötigen Materialien bereitgestellt. Du kannst dich auch selbst organisieren und Materialien mitbringen – das ist zulässig.

Das Gesamterlebnis Praktische Prüfung dauert etwa eine Stunde (Anmeldung, Unterweisungssequenz, Fachgespräch, Abschluss). Die Bewertung erfolgt direkt nach dir – die Prüfer beraten sich und teilen dir mit, ob du bestanden hast oder nicht.

Zeitrahmen: Wie lange dauert der gesamte Prüfungsprozess?

Vom ersten Tag bis zur Urkunde vergehen typischerweise drei bis sechs Monate. Das ist sehr individuell.

Schnellstfall: Du meldest dich an, absolvierst die schriftliche Prüfung im nächsten verfügbaren Termin (kann schnell sein, wenn die Kammer viele Termine pro Monat anbietet). Du bestehst die schriftliche Prüfung. Dann meldest du dich zur praktischen Prüfung an, die im nächsten Termin zwei bis vier Wochen später stattfindet. Du bestehst die praktische Prüfung. Total: zwei bis drei Monate.

Realistischer Fall: Du meldest dich an, hast noch zwei bis vier Wochen bis zum Prüfungstermin der schriftlichen Prüfung. Du bereitest dich vor. Du machst die schriftliche Prüfung. Die Bewertung dauert zwei Wochen. Du anmeldest dich zur praktischen Prüfung, die ein bis zwei Monate später stattfindet (weil die Kammer weniger praktische Termine anbietet als schriftliche). Die Praktische Prüfung findet statt. Die Urkunde wird ausgestellt. Total: vier bis sechs Monate.

Längerer Fall: Die Anmeldung verzögert sich, der nächste schriftliche Termin ist in zwei Monaten. Du bereitest dich länger vor. Die schriftliche Prüfung findet statt. Du bestehst nicht. Du bereitest dich nochmal vor. Der nächste Termin ist in zwei Monaten. Du bestehst beim zweiten Versuch. Dann die praktische Prüfung mit entsprechender Wartezeit. Total: sechs bis neun Monate.

Wichtig: Die Abstände zwischen schriftlicher und praktischer Prüfung sind normalerweise kein Problem. Du kannst sofort nach der schriftlichen Prüfung (wenn du bestanden hast) zur praktischen anmelden. Es gibt da keine langen Wartezeiten wie früher.

Was passiert, wenn man nicht besteht?

Wenn du die schriftliche Prüfung nicht bestehst, bekommst du eine Mitteilung mit dieser Information. Das ist nicht das Ende der Welt – viele Prüflinge brauchen zwei oder drei Anläufe.

Du kannst dich beim nächsten Termin nochmal anmelden und versuchen. Die Gebühr für die Wiederholung ist normalerweise gering – oft um die 50 Euro. Die Wiederholungsprüfung besteht aus ganz neuen Fragen (nicht den alten – die wird man nicht gefragt).

Die meisten Menschen, die beim ersten Versuch nicht bestanden haben und das Feedback ernst nehmen, bestehen beim zweiten Versuch. Das ist normal und nichts Schändliches.

Wenn du die praktische Prüfung nicht bestehst, ist auch das nicht das Ende. Du kannst dich beim nächsten praktischen Termin anmelden und es nochmal versuchen. Allerdings: Bei der praktischen Prüfung ist die Quote höher – deutlich mehr Menschen bestehen beim ersten Versuch. Das liegt daran, dass die schriftliche Prüfung bereits eine erste Hürde war. Wer bis zur praktischen Prüfung kommt, weiß in der Regel, worum es geht.

Insgesamt gibt es eine Frist von maximal fünf Jahren, um die Prüfung zu bestehen. Das heißt, wenn du eine schriftliche Prüfung bestanden hast, hast du fünf Jahre Zeit, auch die praktische zu bestehen. Aber warte nicht fünf Jahre – das ist stressig.

Typische Fragen am Prüfungstag: Was sollte man wissen?

Viele Menschen haben Fragen zum Ablauf, die sie erst im Prüfungsraum stellen. Hier sind einige Antworten im Voraus.

Was sollte ich mitnehmen? Deinen Personalausweis und die Prüfungsbestätigung. Sonst praktisch nichts. Keine Unterlagen, kein Handy. Manche Prüfungen erlauben eine Uhr (nicht das Handy, eine echte Uhr), manche nicht. Im Zweifelsfall fragst du vorher.

Darf ich trinken? Ja, normalerweise darfst du Wasser mitnehmen. Manche Kammern stellen auch Wasser bereit. Du brauchst nicht zu dursten.

Darf ich zur Toilette gehen? Ja, aber es wird angemerkt und die Zeit läuft weiter. Versuche, das auf ein Minimum zu beschränken.

Was ist, wenn ich krank werde? Das ist sehr selten, aber wenn es passiert, teilst du es sofort dem Prüfungsleiter mit. Die Prüfung wird abgebrochen, und du bekommst einen neuen Termin ohne zusätzliche Gebühren.

Wann bekomme ich das Ergebnis? Bei der schriftlichen Prüfung: Brief in ein bis zwei Wochen. Bei der praktischen Prüfung: oft am selben Tag, spätestens in ein bis zwei Wochen per Brief.

Wann bekomme ich die Urkunde? Nach beiden bestandenen Prüfungen. Das kann noch ein bis zwei Wochen dauern, bis die Urkunde ausgestellt und versendet wird. Sie wird dir per Post geschickt. Sie ist dein Nachweis der Ausbildereignung.

Häufige Fragen zu Ausbilderschein Prüfung Ablauf

Kann ich die praktische Prüfung schon machen, bevor die schriftliche bewertet ist?

Nein, normalerweise nicht. Du brauchst den Nachweis, dass du die schriftliche Prüfung bestanden hast, bevor du dich zur praktischen anmelden kannst. Das ist ein sequenzieller Prozess.

Kann ich selbst bestimmen, wann die praktische Prüfung stattfindet?

Du kannst einen Wunschtermin angeben, aber nicht garantieren, dass dieser akzeptiert wird. Die Kammer hat eine begrenzte Anzahl praktischer Prüfungstermine pro Jahr (oft nur vier bis sechs Termine), und diese sind schnell vergeben. Je früher du dich anmeldest, desto eher bekommst du einen Wunschtermin.

Kann ich die praktische Prüfung in meinem Betrieb machen?

Das hängt von der Kammer ab. Manche Kammern lassen das, manche nicht. Wenn dein Betrieb die richtigen Räumlichkeiten und Materialien hat, kann es sein, dass die Kammer einer Prüfung vor Ort zustimmt. Das musst du mit der Kammer klären.

Was passiert mit meiner Prüfung, wenn ich keinen Abschluss in einem anerkannten Beruf habe?

Keine Sorge. Die AEVO-Prüfung setzt einen anerkannten Berufsabschluss voraus, aber kein spezielles Schulabschlusszeugnis. Wenn du eine Ausbildung gemacht hast (egal wie lange her) oder einen Meisterbrief hast, reicht das. Ohne jeglichen Berufsabschluss ist es schwieriger, aber nicht unmöglich – das musst du mit der Kammer klären.

Kann ich die Prüfung in Teilzeit machen oder absagen?

Nein, die Prüfung ist ein einmaliger Termin. Du kannst dich absagen (das solltest du aber rechtzeitig tun, sonst verlierst du die Gebühr), aber nicht in Teilen machen oder verschieben. Wenn du einen neuen Termin brauchst, meldest du dich erneut an und zahlst erneut – aber die Anmeldungsgebühr für eine Wiederholung ist kleiner.

Zusammenfassung

Der Ablauf der Ausbilderschein-Prüfung ist strukturiert und vorhersehbar. Anmeldung, schriftliche Prüfung, praktische Prüfung, Urkunde. Das dauert in der Regel drei bis sechs Monate und kostet zwischen 150 und 250 Euro.

Es gibt keine versteckten Überraschungen, wenn du weißt, was auf dich zukommt. Der schriftliche Teil prüft Faktenwissen. Der praktische Teil prüft Handlungskompetenz. Beide Teile sind bestehbar, wenn du dich ordentlich vorbereitest.

Wichtig: Verpasse keine Anmeldungsfristen, bereite dich strukturiert vor, und nimm die Bewertung von Prüfern ernst, wenn du nicht bestehen solltest. Mit dieser Herangehensweise wird die Ausbilderschein-Prüfung zu einem machbaren Projekt mit einem klaren Zieltermin.

IHK Ausbildereignungsprüfung, ADA-Schein 2025

Starte jetzt deinen nächsten Karriere-Step

Komplette Prüfungsvorbereitung für die IHK Ausbildereignungsprüfung