
„Ausbilderschein machen" klingt einfach, ist aber ein Prozess, bei dem es auf die richtige Planung ankommt. Viele Menschen wissen, dass sie einen Ausbilderschein brauchen, wissen aber nicht, wie sie konkret anfangen sollen. Soll ich einen Kurs buchen? Kann ich mich direkt zur Prüfung anmelden? Wo mache ich das überhaupt? Diese Unsicherheit ist völlig normal.
Dieser Artikel zeigt dir den genauen Ablauf: Von der ersten Überlegung über die Anmeldung bis zur bestandenen Prüfung. Du erfährst, wie du dich organisierst, wo die richtigen Ansprechpartner sind und wie du häufige Fehler vermeidest.
Was bedeutet „Ausbilderschein machen" konkret?
Wenn du einen Ausbilderschein machen möchtest, geht es letztlich um eine Sache: Du musst die Ausbildereignungsprüfung (AEVO-Prüfung) erfolgreich ablegen. Dieses Zertifikat ist der offizielle Nachweis dafür, dass du die erforderlichen pädagogischen, didaktischen und rechtlichen Fähigkeiten hast, um Auszubildende anzuleiten.
Die Prüfung selbst ist eine kombination aus schriftlichen und praktischen Teilen. Im schriftlichen Teil bekommst du Fragen zu Ausbildungsgesetzen, Lernpsychologie und praktischer Ausbildungsplanung. Im praktischen Teil zeigst du, dass du wirklich eine Ausbildungssequenz durchdacht hast und sie angemessen vermitteln kannst. Nach bestandener Prüfung erhältst du ein anerkanntes Zertifikat, das in ganz Deutschland gültig ist.
Was viele nicht wissen: Du kannst den Ausbilderschein auf zwei Wegen machen. Der erste Weg ist, einen Vorbereitungskurs zu besuchen und dann zur Prüfung anzutreten. Der zweite Weg ist, dich direkt zur Prüfung anzumelden, ohne einen Kurs zu besuchen. Beide Wege sind rechtlich zulässig. Aber sie unterscheiden sich in Aufwand, Erfolgsquote und Zeitrahmen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt ist wichtig, denn es gibt verschiedene Faktoren, die berücksichtig werden sollten.
Der erste Faktor ist deine eigene berufliche Situation. Du solltest bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung haben und mindestens ein bis zwei Jahre praktische Erfahrung in deinem Beruf sammeln. Der Grund ist praktisch: Wenn du selbst noch nicht sicher in deinem Handwerk oder deiner Tätigkeit bist, wirst du auch schwer andere anleiten können. Manche Arbeitgeber fordern sogar drei Jahre Erfahrung. Prüfe mit deinem Arbeitgeber oder der zuständigen Kammer, was in deiner Situation erwartet wird.
Der zweite Faktor ist die zeitliche Verfügbarkeit. Wenn du einen Kurs besuchen möchtest, brauchst du realistische Zeit dafür. Ein Vollzeitkurs läuft vier bis sechs Wochen. Ein nebenberuflicher Kurs zieht sich über zwei bis vier Monate. Zeitlich sollte dein Leben so strukturiert sein, dass du diese Zeit investieren kannst, ohne dich zu überlasten.
Der dritte Faktor ist die betriebliche Notwendigkeit. Wenn dein Arbeitgeber plant, Auszubildende einzustellen, ist es sinnvoll, den Schein vorher zu machen. Wenn es akut wird – also der Betrieb braucht einen Ausbilder in zwei Monaten – muss der Prozess schneller gehen. Das ist zwar möglich, aber stressiger.
Der vierte Faktor ist psychologisch: Du solltest motiviert sein. Es bringt nichts, den Schein zu machen, wenn du nicht wirklich bereit dafür bist. Der beste Zeitpunkt ist, wenn du merkst, dass du Lust darauf hast, andere auszubilden, und bereit bist, Zeit und Energie zu investieren.
Praktischer Rat: Nimm dir mindestens zwei bis drei Monate Zeit für den ganzen Prozess, vom ersten Gedanken bis zur Prüfung. Das ist realistisch und weniger stressig als Hektik.
Wo machst du den Ausbilderschein?
Das „Wo" hat mehrere Bedeutungsebenen: Wo meldest du dich an? Wo machst du einen Kurs? Wo findet die Prüfung statt?
Die Prüfung selbst findet immer bei einer offiziellen Stelle statt, nämlich bei der zuständigen Kammer. In Deutschland gibt es je nach Region unterschiedliche Kammern: Die Industrie- und Handelskammer (IHK) ist für kaufmännische Berufe und viele handwerkliche Berufe zuständig. Die Handwerkskammer (HWK) ist für klassische Handwerksbereiche zuständig. Es gibt auch Landwirtschaftskammern, Zahnärztekammern und ähnliche Fachkammern. Welche Kammer für dich zuständig ist, hängt von deinem Beruf und deinem Wohnort ab.
Wichtig: Du meldest dich zur Prüfung bei der Kammer an, die für deinen Beruf zuständig ist. Nicht bei deinem Arbeitgeber, nicht online auf irgendeine Website. Die offizielle Anmeldung läuft über die Kammer direkt.
Die Kurse kannst du bei verschiedenen Anbietern machen. Es gibt Volkshochschulen, private Weiterbildungsunternehmen, Schulungseinrichtungen der Kammern selbst und auch Online-Anbieter. Die Qualität und die Kosten unterscheiden sich. Ein Kurs bei der IHK kostet oft zwischen 500 und 1.200 Euro. Ein Kurs bei einem privaten Anbieter kann günstiger sein oder teurer, je nach Umfang und Reputation. Online-Kurse sind oft günstiger (300 bis 800 Euro), erfordern aber Selbstdisziplin.
Der Ort, an dem du den Kurs besuchst, kann in Präsenz sein (du sitzt im Klassenzimmer) oder online (du schaust Tutorials, nimmt an Videokonferenzen teil). Das ist Geschmackssache und hängt von deinen persönlichen Vorlieben ab. Viele Menschen lernen besser in der Gruppe, andere mögen die Flexibilität von Online-Kursen.
Die Prüfung selbst findet immer vor Ort statt. Das bedeutet, du musst in die nächste Bürofiliale oder zum Prüfungszentrum der Kammer fahren. Du kannst nicht von zu Hause aus prüft werden.
Wie läuft der Prozess Schritt für Schritt ab?
Der konkrete Ablauf ist übersichtlich strukturiert, wenn du den richtigen Plan hast.
Schritt eins: Kontaktiere die zuständige Kammer. Finde heraus, welche Kammer für deinen Beruf zuständig ist. Das ist meist die Kammer am Ort deines Arbeitgebers oder deines Wohnorts. Du kannst die Kammer anrufen oder auf der Website nach deinem Beruf suchen. Frag nach den aktuellen Prüfungsterminen und den Anmeldungsfristen.
Schritt zwei: Entscheide dich für oder gegen einen Kurs. Wenn du einen Kurs machen möchtest, suche einen Anbieter aus, der zeitlich und inhaltlich passt. Vollzeitkurse sind intensiv und schnell. Nebenberufliche Kurse sind flexibler, dauern aber länger. Online-Kurse geben dir Flexibilität, erfordern aber Selbstmotivation. Du kannst auch einen Blick auf die Inhalte werfen: Guter Kurs sollte Ausbildungsgesetze, Pädagogik, Lernpsychologie, Sicherheit und Praktisches abdecken.
Schritt drei: Melde dich zum Kurs an. Das läuft meist online über die Website des Anbieters oder per Anruf. Du brauchst oft deine Kontaktdaten, eine Kopie deines Abschlusszertifikats und Angaben zu deinem Beruf.
Schritt vier: Besuche den Kurs und lerne. Das ist der praktische Teil. Die meisten Kurse legen Wert auf praktisches Wissen, nicht auf Auswendiglernen. Du wirst Unterrichtsentwürfe schreiben, Fragen besprechen, Prüfungssituationen üben und mit anderen Teilnehmern diskutieren. Gute Kurse bereiten dich gezielt auf die Prüfung vor.
Schritt fünf: Melde dich zur Prüfung an. Das ist der wichtigste administrative Schritt. Die Anmeldung erfolgt über die zuständige Kammer. Du braucht ein Anmeldeformular (das erhältst du bei der Kammer oder online), und du musst Unterlagen einreichen: eine Kopie deines Schulabschlusses, deinen Ausbildungsvertrag oder ein Beschäftigungszertifikat, das deine praktische Erfahrung belegt, und oft eine Erklärung zur persönlichen Eignung (ob du straffällig geworden bist, etc.). Die Anmeldung muss immer bis zu einer bestimmten Frist erfolgen. Diese Frist ist wichtig – verpasse sie nicht.
Schritt sechs: Bereite dich auf die Prüfung vor. Wenn du keinen Kurs gemacht hast, musst du dich selbst vorbereiten. Es gibt Lernmaterialien, Bücher und auch Online-Ressourcen. Die Kammer gibt oft auch eine Prüfungsordnung aus, die zeigt, was Inhalt ist. Mit Kurswissen sollte diese Phase kürzer sein, etwa zwei bis vier Wochen.
Schritt sieben: Mache die Prüfung. Du kommst zum angegebenen Termin zur Kammer, machst den schriftlichen Teil (etwa zwei Stunden, meist am Vormittag) und wartest auf die Einladung zum praktischen Teil. Der praktische Teil ist eine mündliche Prüfung (etwa 30 bis 45 Minuten), bei der du eine Ausbildungssequenz vorstellen und ein Fachgespräch führst.
Schritt acht: Ergebnisse erhalten. Nach vier bis acht Wochen erhältst du die Ergebnisse. Wenn du bestanden hast, bekommst du dein AEVO-Zertifikat. Wenn nicht, kannst du den praktischen Teil oder beide Teile wiederholen.





