Die Ausbildereignungsprüfung (AEP) ist eine der wichtigsten beruflichen Qualifikationen, die du erwerben kannst, wenn du ausbilden möchtest. Sie besteht aus mehreren Teilen und prüft dein Wissen sowie deine praktischen Fähigkeiten. In diesem Artikel erfährst du detailliert, wie die Prüfung abläuft, worauf du achten musst und wie du dich optimal vorbereitet.

Was ist die Ausbildereignungsprüfung?

Die Ausbildereignungsprüfung ist das Verfahren, das nachweist, dass du die rechtlichen, fachlichen und pädagogischen Anforderungen erfüllst, um ausbilden zu dürfen. Sie wird von den zuständigen Kammern durchgeführt, also von der IHK oder der HWK. Die Prüfung basiert auf der AEVO und prüft dich in den vier Handlungsfeldern, die jeder Ausbilder beherrschen muss.

Die Ausbildereignungsprüfung ist bundesweit einheitlich aufgebaut, wobei die Kammern in der Durchführung und Bewertung einige Spielräume haben. Das Zertifikat, das du nach erfolgreicher Prüfung erhältst, ist in ganz Deutschland gültig und wird von allen Arbeitgebern anerkannt.

Schriftlicher Teil: Aufbau, Dauer, Inhalte

Der schriftliche Teil der Ausbildereignungsprüfung ist die erste Hürde. Er dauert in der Regel 180 Minuten, also drei Stunden. In dieser Zeit bearbeitest du Aufgaben, die sich auf die vier Handlungsfelder beziehen. Die Fragen werden überwiegend in Form von Fallbeispielen und Szenarien gestellt, nicht einfach als Wissensfragen.

Der schriftliche Teil prüft dein grundlegendes Verständnis der Ausbilderaufgaben. Du musst beispielsweise Ausbildungspläne bewerten können, wissen, wie du einen Auszubildenden motivierst, oder rechtliche Fragen beantworten. Die Inhalte sind praxisorientiert und beziehen sich auf konkrete Situationen im Ausbildungsalltag.

Die Aufgaben sind in der Regel Multiple-Choice oder offene Fragen mit mittlerer Komplexität. Du brauchst keine tiefen Spezialkenntnisse, sondern sollst zeigen, dass du die grundsätzlichen Anforderungen der AEVO verstanden hast. Besonders wichtig ist, dass du die vier Handlungsfelder in Kontexten anwenden kannst, nicht nur theoretisch nachsagen.

Praktischer Teil: Unterweisungsprobe und Fachgespräch

Der praktische Teil besteht aus zwei Elementen: der Unterweisungsprobe und einem Fachgespräch. Diese beiden Teile finden an einem Termin hintereinander statt. Zusammen dauern sie in der Regel zwischen 60 und 90 Minuten.

Die Unterweisungsprobe ist der Kern des praktischen Teils. Du musst einen Auszubildenden oder einen anderen Teilnehmer in einer berufstypischen Tätigkeit unterweisen. Diese Unterweisung dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Du wählst ein Thema aus deinem Beruf, das sich gut vermitteln lässt, und unterweist die Zielperson live vor der Prüfungskommission. Diese schaut zu, beobachtet dein didaktisches und methodisches Vorgehen und bewertet später, ob du die Anforderungen erfüllst.

Nach der Unterweisungsprobe folgt das Fachgespräch. Hier stellt die Prüfungskommission Fragen zur Unterweisung, zum gewählten Thema und zu deinen Methoden. Du sollst erklären, warum du diese Methode gewählt hast, wie du die Lernfortschritte überprüfst und wie du den Auszubildenden motivierst. Das Fachgespräch ist nicht prüfend, sondern eher eine Diskussion über deine Herangehensweise.

Die vier Handlungsfelder als Prüfungsgrundlage

Alle Teile der Ausbildereignungsprüfung orientieren sich an den vier Handlungsfeldern der AEVO. Es ist wichtig, dass du diese verstehst und sie in der Prüfung anwenden kannst. Das erste Handlungsfeld behandelt die Ausbildungsvoraussetzungen und die Eignung des Ausbilders. Hier geht es um rechtliche Grundlagen, um die Frage, wer ausbilden darf, und um die Dokumentation dieser Eignung.

Das zweite Handlungsfeld befasst sich mit der Planung der Ausbildung. Du musst zeigen, dass du einen Ausbildungsplan erstellen, Ziele definieren und die Ausbildung zeitlich strukturieren kannst. Hier spielen auch die Rahmenlehrpläne und Ausbildungsordnungen eine Rolle.

Das dritte Handlungsfeld ist die Durchführung der Ausbildung. Dies ist das praktischste Handlungsfeld und wird besonders in der Unterweisungsprobe geprüft. Du musst zeigen, dass du Inhalte vermitteln, Fragen beantworten, Probleme lösen und den Lernprozess gestalten kannst.

Das vierte Handlungsfeld behandelt die Kontrolle und Evaluation der Ausbildung. Du musst beweisen, dass du die Fortschritte überprüfen, Feedback geben und die Qualität der Ausbildung sicherstellen kannst. Dies geschieht beispielsweise durch Zwischenprüfungen, Abschlussprüfungsvorbereitung und Lernkontrollen.

Bestehensvoraussetzungen und Bewertung

Um die Ausbildereignungsprüfung zu bestehen, musst du sowohl im schriftlichen als auch im praktischen Teil mindestens ausreichende Leistungen zeigen. Es gibt also nicht einfach einen Gesamtpunktewert, sondern beide Teile müssen bestanden sein.

Im schriftlichen Teil wird in der Regel mit Punkten bewertet. Du brauchst normalerweise mindestens 50 Prozent der Punkte, um zu bestehen. Im praktischen Teil wird deine Unterweisungsprobe und dein Fachgespräch von der Prüfungskommission bewertet. Hier sind die Kriterien eher qualitativ: Hast du die Inhalte klar vermittelt? Hast du eine angemessene Methode gewählt? Bist du auf die Fragen eingegangen?

Die genauen Bestehensregelungen können regional unterschiedlich sein. Du solltest dich bei der zuständigen Kammer informieren, wie genau die Bewertung erfolgt. In jedem Fall ist die Prüfung nicht übermäßig schwer, wenn du dich gut vorbereitet hast. Die Prüfer erwarten keine perfekten Ausbilder, sondern competente Fachleute, die zeigen, dass sie die Aufgabe erfüllen können.

Häufige Fehler in der Prüfung

Viele Kandidaten machen ähnliche Fehler, die vermeidbar sind. Ein häufiger Fehler ist, die Unterweisungsprobe zu theoretisch zu gestalten. Die Prüfer wollen sehen, dass du praktisch unterweisen kannst, nicht dass du einen Vortrag hältst. Dein Auszubildender sollte etwas tun, nicht nur zuhören.

Ein zweiter verbreiteter Fehler ist schlechte Zeiteinteilung. Viele Kandidaten verbringen zu viel Zeit mit Erklärungen und zu wenig mit praktischen Übungen. Eine gute Unterweisungsprobe folgt dem Schema: Einleitung, Erklärung, Demonstration, Nachahmung durch den Lernenden, Kontrolle und Feedback.

Ein weiterer Fehler ist, das Fachgespräch nicht ernst genug zu nehmen. Viele denken, dass das Fachgespräch nur eine Formalität ist. Tatsächlich wird hier überprüft, ob du dich bewusst mit deiner Ausbildungspraxis auseinandersetzt. Du solltest verständlich erklären können, warum du so vorgegangen bist.

Auch mangelnde Vorbereitung ist ein häufiger Grund für Misserfolg. Die schriftliche Prüfung erfordert ein grundlegendes Verständnis der AEVO. Das erreichst du nur durch intensives Lernen und Auseinandersetzen mit den Inhalten. Die praktische Prüfung erfordert mindestens eine Probe-Unterweisungsprobe vor Kollegen oder einem Coach.

Tipps zur Vorbereitung

Beginne deine Vorbereitung frühzeitig, idealerweise zwei bis drei Monate vor dem Prüfungstermin. Besorge dir Lehrmaterialien und Skripte zur AEVO. Viele Kammern bieten Vorbereitungskurse an, die sehr hilfreich sind. Diese dauern in der Regel zwischen einer und zwei Wochen und vermitteln dir direkt die wichtigsten Inhalte.

Für den schriftlichen Teil solltest du regelmäßig alte Prüfungsfragen bearbeiten, wenn diese verfügbar sind. Dies gibt dir ein Gefühl für das Prüfungsniveau und die Frageformen. Lerne nicht auswendig, sondern versuche die Inhalte zu verstehen und in Kontexten anzuwenden.

Für den praktischen Teil ist regelmäßiges Training essentiell. Führe mehrfach Unterweisungen durch und lass dich von Kollegen oder einem Coach beobachten und bewerten. Achte auf Struktur, Klarheit und praktische Elemente. Lerne, Zeit zu kontrollieren und bei 15 bis 20 Minuten zu enden. Übe auch, Fragen zu beantworten und über deine Methoden zu reflektieren.

Ein wichtiger Tipp ist auch, realistisch zu trainieren. Wähle ein Thema aus deinem Beruf, das sich wirklich unterweisen lässt. Nicht alles ist geeignet. Gute Themen sind Tätigkeiten, die hand- und geistfertig sind, wie das Bedienen einer Maschine, das Erstellen eines Produkts oder das Lösen einer praktischen Aufgabe.

Was passiert bei Nichtbestehen?

Solltest du die Prüfung beim ersten Mal nicht bestehen, ist das nicht das Ende. Du kannst die Prüfung beliebig oft wiederholen. Es gibt keine Begrenzung der Versuche. Allerdings musst du die Kosten selbst tragen, wenn du die Prüfung wiederholen möchtest.

Wenn du scheitert, solltest du analysieren, woran es lag. War es der schriftliche Teil? Der praktische Teil? Mangelnde Vorbereitung? Nervosität? Je nachdem kannst du gezielt an den Schwachpunkten arbeiten. Viele Kandidaten bestehen beim zweiten oder dritten Versuch, wenn sie das Feedback nutzen und ihre Vorbereitung optimieren.

Nach bestandener Prüfung erhältst du ein Zertifikat, das dir bundesweit die Berechtigung zum Ausbilden bescheinigt. Dieses Zertifikat ist zeitlich unbegrenzt gültig. Du solltest dich aber regelmäßig weiterbilden, um dein Wissen aktuell zu halten.

FAQ

Wie lange dauert die gesamte Ausbildereignungsprüfung?

Die schriftliche Prüfung dauert 180 Minuten. Der praktische Teil mit Unterweisungsprobe und Fachgespräch dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Schriftlich und praktisch finden zu unterschiedlichen Terminen statt.

Kann ich die Prüfung online absolvieren?

Die schriftliche Prüfung wird zunehmend digital durchgeführt, jedoch nicht von zuhause, sondern in einem Prüfungszentrum. Der praktische Teil muss in Präsenz stattfinden, da die Prüfer deine Unterweisungsprobe beobachten müssen.

Wie viele Kandidaten bestehen die Ausbildereignungsprüfung beim ersten Versuch?

Die Quote liegt bei etwa 70 bis 75 Prozent. Dies zeigt, dass die Prüfung anspruchsvoll, aber durchaus zu schaffen ist, wenn du dich ordentlich vorbereitet hast.

Darf ich Hilfsmittel in der schriftlichen Prüfung nutzen?

Dies hängt von der Kammer ab. In der Regel sind keine Hilfsmittel erlaubt oder nur sehr begrenzt. Informiere dich vor der Prüfung bei deiner zuständigen Kammer.

Wie wähle ich das richtige Thema für die Unterweisungsprobe?

Wähle ein Thema, das du gut beherrschst, das hand- und geistfertig ist, und das sich in 15 bis 20 Minuten unterweisen lässt. Vermeide theoretische oder zu komplexe Themen.

Fazit

Die Ausbildereignungsprüfung ist eine anspruchsvolle, aber zu schaffende Herausforderung. Mit strukturierter Vorbereitung, Trainingseinheiten und dem richtigen Mindset kannst du sie erfolgreich absolvieren. Der schriftliche Teil prüft dein Verständnis der AEVO, der praktische Teil zeigt deine Fähigkeit, real auszubilden. Nutze Vorbereitungskurse, trainiere regelmäßig und reflektiere deine Leistung. Nach bestandener Prüfung besitzt du eine bundesweit anerkannte Qualifikation, die dir Türen öffnet und dich als kompetenten Ausbilder ausweist.

IHK Ausbildereignungsprüfung, ADA-Schein 2025

Starte jetzt deinen nächsten Karriere-Step

Komplette Prüfungsvorbereitung für die IHK Ausbildereignungsprüfung