Der Ada-Schein besteht aus mehreren Bausteinen. Es gibt eine schriftliche Prüfung und eine praktische Prüfung. Aber die praktische Prüfung besteht selbst aus zwei Teilen: dem Unterweisungsgespräch und dem Fachgespräch. Das Fachgespräch ist oft das Element, das Menschen am meisten nervös macht, weil es am unberechenbarsten wirkt. Wie wird die Frage gestellt? Wie lange darf ich antworten? Was, wenn ich steckenbleibe? Diese Fragen sind berechtigt, aber auch beantwortbar. Das Fachgespräch ist nicht chaotisch oder unstrukturiert – es folgt Regeln, und wenn du diese Regeln verstehst, kannst du dich darauf vorbereiten.

Das AEVO-Fachgespräch ist ein tieferes Gespräch über pädagogische und praktische Themen rund um Ausbildung. Es ist nicht dazu da, dich zu verwirren, sondern dazu, zu überprüfen, ob du wirklich verstanden hast, wie Ausbildung funktioniert. Der Prüfer will sehen, dass du nicht nur Fakten kennst, sondern dass du auch denken kannst. Das ist die gute Nachricht: Wenn du wirklich verstanden hast, wofür du den Ada-Schein brauchst, wirst du dieses Gespräch meistern.

Was ist das AEVO-Fachgespräch?

Das AEVO-Fachgespräch ist ein mündliches Prüfungsgespräch zwischen dir und typischerweise zwei Prüfern (einem Prüfer und einem Protokollführer, manchmal auch zwei Prüfern). Das Gespräch dauert zwischen 20 und 30 Minuten – das ist fest vorgegeben. In dieser Zeit wird dir der Prüfer Fragen stellen, die sich auf die vier Handlungsbereiche der AEVO beziehen: Ausbildungsvoraussetzungen und Ausbildungsplanung, Ausbildungsnihalte und Lernziele vermitteln, Auszubildende im Lernprozess unterstützen und begleiten, und Ausbildung evaluieren und optimieren.

Das Fachgespräch ist part der praktischen Prüfung. Neben dem Fachgespräch gibt es auch noch das Unterweisungsgespräch (auch Unterweisungsentwurf genannt), bei dem du tatsächlich etwas unterweist. Das Unterweisungsgespräch ist praktischer, das Fachgespräch ist konzeptioneller. Beides zusammen ergibt ein umfassendes Bild deiner Fähigkeit, als Ausbilder zu arbeiten.

Die Fragen im Fachgespräch sind offen gestellt. Das bedeutet, dass du nicht einfach ja oder nein antwortest. Du wirst aufgefordert, etwas zu erklären, zu begründen oder einen Fall zu analysieren. Der Prüfer wird dir nicht sagen: „Nenne fünf Punkte." Der Prüfer wird sagen: „Erklär mir, wie du mit einem unmotivierten Azubi umgehen würdest." Das erfordert von dir, dass du selbst strukturierst und auswählst, was relevant ist.

Wie ist das Fachgespräch aufgebaut?

Das Fachgespräch beginnt mit einer kurzen Eröffnung. Der Prüfer wird dir erklären, wie lange das Gespräch dauert, und wird dir versichern, dass er an deinen Gedanken interessiert ist, nicht daran, dich zu verwirren. Das ist kein Marketing-Spruch – das ist ernst gemeint. Der Prüfer will wissen, ob du dich mit Ausbildung auseinandergesetzt hast.

Dann folgen die Fragen. Diese sind nicht zufällig. Sie basieren auf den vier Handlungsbereichen, die ich eben genannt habe. Der Prüfer wird versuchen, über verschiedene Fragen ein umfassendes Bild zu bekommen. Das bedeutet nicht, dass jeder Handlungsbereich gleich lange behandelt wird – das hängt davon ab, wo der Prüfer Klärungsbedarf sieht.

Die Fragen sind typischerweise nicht sehr technisch. Das heißt, du wirst nicht gefragt, was genau beim Ohmschen Gesetz passiert. Du wirst vielmehr gefragt, wie du jemandem erklären würdest, was das Ohmsche Gesetz ist. Der Unterschied ist groß.

Am Ende des Gesprächs wird der Prüfer dir Gelegenheit geben, noch etwas zu fragen oder etwas hinzuzufügen. Das ist kein Standard-Abschluss – das ist eine echte Möglichkeit. Wenn es etwas gibt, das du für wichtig hältst und das nicht zur Sprache gekommen ist, kannst du es hier sagen.

Das Fachgespräch wird bewertet mit bestanden oder nicht bestanden. Es gibt keine Punkte oder Noten. Das ist wichtig zu wissen, denn das nimmt etwas Druck weg. Du musst nicht perfekt sein – du musst nur überzeugend sein.

Was wird im Fachgespräch gefragt?

Die Fragen orientieren sich an den vier Handlungsbereichen, aber sie sind konkret. Ein Beispiel aus dem ersten Handlungsbereich könnte sein: „Du willst einen neuen Azubi einstellen. Welche Informationen brauchst du über ihn, bevor er seinen ersten Arbeitstag beginnt?" Das ist eine Frage, die zeigt, ob du verstanden hast, dass Planung am Anfang steht.

Ein Beispiel aus dem zweiten Handlungsbereich könnte sein: „Ein Azubi versteht einen Lerninhalt nicht, obwohl du es mehrmals erklärt hast. Wie gehst du vor?" Das ist eine Frage, die zeigt, ob du flexibel denken kannst und ob du Lernprozesse verstehst.

Ein Beispiel aus dem dritten Handlungsbereich könnte sein: „Wie erkennst du, dass ein Azubi demotiviert ist, und was machst du dann?" Das ist eine Frage über Beziehung und Begleitung.

Ein Beispiel aus dem vierten Handlungsbereich könnte sein: „Wie bist du vorgegangen in der vergangenen Woche, um festzustellen, ob dein Azubi die Lernziele erreicht hat?" Das ist eine Frage über Evaluation.

Wichtig ist: Es gibt nicht die eine richtige Antwort. Der Prüfer will sehen, dass du begründet vorgehen kannst. Wenn du sagst: „Ich würde folgende Schritte einleiten...", dann erklärt du, warum das die richtigen Schritte sind. Das ist was der Prüfer hören will.

Es gibt auch sogenannte kritische Fragen – Fragen, die ein Problem oder ein Dilemma beinhalten. Zum Beispiel: „Ein Azubi erzählt dir, dass er von anderen Azubis gemobbt wird. Der Betrieb und die Berufsschule wissen noch nichts davon. Was machst du?" Das ist eine Frage, die prüft, ob du in einer schwierigen Situation klar denken kannst und die Verantwortung verstehst, die du hast.

Typische Themenfelder im Fachgespräch

Ausbildungsplanung ist ein häufiges Thema. Der Prüfer will wissen, ob du verstanden hast, dass Ausbildung geplant werden muss. Das bedeutet: Lernziele setzen, Lerninhalte strukturieren, Zeit einteilen und überprüfen, ob die Ziele erreicht werden. Wenn du sagst: „Ich lasse die Azubis einfach mitarbeiten und sie lernen dabei", dann hat der Prüfer verstanden, dass dir ein wichtiges Konzept fehlt.

Vermittlung von Lerninhalten ist ein anderes Thema. Der Prüfer will wissen, ob du verschiedene Vermittlungsmethoden kennst. Dazu gehören das Vier-Stufen-Verfahren (Vorbereitung, Erklärung, Durchführung mit Anleitung, Kontrolle), das Projektlernen, das Fallstudien-Verfahren und andere. Du brauchst nicht alle perfekt zu beherrschen, aber du solltest verstehen, dass es verschiedene Wege gibt und dass unterschiedliche Lerninhalte unterschiedliche Methoden erfordern.

Umgang mit Vielfalt ist ebenfalls wichtig. Azubis sind unterschiedlich. Manche sind jung, manche älter. Manche haben Deutsch als Muttersprache, manche nicht. Manche haben körperliche Einschränkungen. Der Prüfer will wissen, ob du das ernst nimmst und ob du weißt, wie man damit umgeht.

Beurteilung von Lernleistung ist ein technisches Thema, aber es ist wichtig. Du solltest verstehen, dass es verschiedene Arten gibt zu beurteilen: Beobachtungsbeurteilung, Prüfungsbeurteilung und andere. Du solltest verstehen, dass Beurteilung nicht subjektiv sein darf, sondern auf Kriterien basiert.

Konflikte und schwierige Situationen sind sehr realistisch. Der Prüfer wird dir Fragen stellen wie: „Ein Azubi hat eine grobe Regel verletzt. Wie gehst du vor?" Oder: „Du merkst, dass ein Azubi unter privaten Problemen leidet und das beeinträchtigt seine Arbeit. Wie unterstützt du ihn?" Das sind keine akademischen Fragen – das sind Fragen aus der Praxis.

Häufige Fehler im Fachgespräch

Ein häufiger Fehler ist, zu glauben, dass du eine perfekte Antwort geben musst. Das stimmt nicht. Der Prüfer will eine durchdachte Antwort, nicht eine perfekte. Wenn du einen Moment brauchst, um nachzudenken, sag das. Das ist völlig okay.

Ein anderer Fehler ist, zu lange zu antworten. Du hast 20 bis 30 Minuten für das ganze Gespräch. Wenn du auf eine Frage fünf Minuten lang antwortest, dann bleibt nicht viel Zeit für andere Fragen. Konzentriere dich auf das Wesentliche. Die Daumenregel ist: Zwei bis drei Minuten pro Antwort sind gut.

Ein dritter Fehler ist, zu sagen: „Ich weiß es nicht." Manchmal ist das die ehrlichste Antwort, aber meistens kannst du zumindest einen Ansatz geben. Statt zu sagen: „Ich weiß nicht, wie ich mit einem demotivierten Azubi umgehe", könntest du sagen: „Das ist eine schwierige Situation. Ich würde versuchen herauszufinden, was die Demotivation verursacht – ob es am Betrieb liegt oder ob es private Gründe gibt. Dann würde ich überlegen, wie ich unterstützen kann." Das ist besser.

Ein vierter Fehler ist, zu theoretisch zu werden. Du solltest Theorie können – das BBiG, die AEVO, pädagogische Konzepte. Aber der Prüfer will auch sehen, dass du diese Theorie in die Praxis übersetzen kannst. Sag nicht nur: „Ich würde das Vier-Stufen-Verfahren anwenden." Sag: „Ich würde das Vier-Stufen-Verfahren anwenden, weil es strukturiert ist und weil ich dem Azubi die Möglichkeit gebe, zu sehen, zu verstehen und dann selbst zu machen."

Ein fünfter Fehler ist, defensiv zu werden, wenn der Prüfer eine kritische Frage stellt oder nachbohrt. Das ist kein Angriff. Der Prüfer versucht zu verstehen, wie du denkst. Wenn die erste Antwort nicht ganz klar war, wird der Prüfer nachfragen. Das ist normal. Sag nicht: „Das ist so, wie ich es gesagt habe." Sag: „Lass mich das präzisieren..." Das zeigt, dass du bereit bist zu reflektieren.

Tipps für die Prüfungssituation

Deine innere Haltung ist wichtig. Du bist nicht in einer Prüfung, in der der Prüfer dich sabotieren will. Der Prüfer will wissen, ob du ein guter Ausbilder sein wirst. Wenn du das im Hinterkopf hast, wird die Situation weniger beängstigend.

Vor der Prüfung, atme. Das klingt einfach, aber es ist effektiv. Wenn du nervös bist, wird dein Atem flach. Tiefes Atmen beruhigt dein Nervensystem. Das ist neurowissenschaftlich belegt.

Während der Prüfung, spreche deutlich. Der Prüfer will verstehen, was du sagst. Das ist nicht nur eine Frage der Lautstärke, sondern auch der Klarheit. Wenn du schnell sprichst, wenn du nervös bist, verlangsame bewusst.

Höre genau hin, was der Prüfer fragt. Viele Menschen hören die halbe Frage und antworten dann auf das, das sie glauben gefragt zu werden. Das ist frustrierend für den Prüfer. Wenn du die Frage nicht ganz verstanden hast, frag nach.

Strukturiere deine Antworten. Du kannst sagen: „Ich würde folgende drei Schritte einleiten..." Dann zählst du die Schritte auf. Das macht es für den Prüfer leicht zu folgen und es macht klar, dass du strukturiert denkst.

Verbinde deine Antworten mit der Praxis. Anstatt nur theoretisch zu sagen, was du tun würdest, gib ein Beispiel. „In der vergangenen Woche hatte ich eine ähnliche Situation mit meinem Azubi Marco, und ich habe..." Das macht deine Antwort lebendig und zeigt, dass du praktische Erfahrung hast.

Wenn du steckenbleibst, ist das nicht das Ende der Welt. Sag: „Lass mich kurz nachdenken." Das ist besser als zu stammeln. Du darfst einen Moment brauchen. Wenn du danach immer noch nicht weiterweißt, sag das: „Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich das angehen würde, aber ich würde wahrscheinlich..." Das ist ehrlich und konstruktiv.

Denk daran, dass dein Ton genauso wichtig ist wie dein Inhalt. Wenn du sauer wirkst oder abwehrend, wird der Prüfer das registrieren. Das ist nicht fair, aber es ist menschlich. Versuche, offen und konstruktiv zu wirken.

Vorbereitung auf das Fachgespräch

Die beste Vorbereitung ist, dass du die vier Handlungsbereiche wirklich verstehst. Nicht auswendig lernen – verstehen. Lies die AEVO und die Handlungsbereiche nicht einfach, sondern frag dich nach jedem Satz: Was bedeutet das in meinem Job als Ausbilder?

Übe mit anderen. Wenn du jemanden kennst, der auch den Ada-Schein macht, könnt ihr euch gegenseitig Fragen stellen. Noch besser ist, wenn ein erfahrener Ausbilder oder ein Trainer euch Fragen stellt. Das ist realistische Praxis.

Schreib deine eigenen Fragen auf. Nimm die vier Handlungsbereiche und schreib zu jedem eine oder zwei konkrete Fragen auf. Dann beantworte sie schriftlich oder laut. Das ist effektiver Lernmechanismus.

Denk über schwierige Situationen nach. Was sind die größten Herausforderungen, denen du als Ausbilder begegnen könntest? Wie würdest du damit umgehen? Wenn du diese durchgedacht hast, werden die Fragen im Prüfungsgespräch weniger überraschend wirken.

Lies Fachbücher oder Artikel über Pädagogik, Ausbildung und Personalentwicklung. Das gibt dir nicht nur Wissen, sondern auch die Sprache, um über diese Themen zu sprechen.

Beobachte andere Ausbilder (wenn möglich) oder denk über Ausbildungserfahrungen nach, die du gemacht hast. Gute und schlechte. Was hat funktioniert und warum? Was hat nicht funktioniert und warum? Das ist echtes Lernen.

Häufige Fragen zu AEVO Fachgespräch

Kann ich im Fachgespräch keine Antwort geben und ein „Ich weiß nicht" sagen?

Ja, du kannst das sagen. Aber versuche, einen Ansatz zu geben. „Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich würde wahrscheinlich..." ist besser als nur „Ich weiß nicht." Das zeigt, dass du denkst, auch wenn du unsicher bist.

Wie lange sollte ich auf eine Frage antworten?

Zwei bis drei Minuten sind ein gutes Ziel. Das ist lange genug, um eine gute Antwort zu geben, aber nicht so lange, dass die Zeit knapp wird. Mit 20 bis 30 Minuten insgesamt solltest du acht bis zehn Fragen bekommen. Wenn deine Antworten länger sind, gibt es weniger Fragen.

Was, wenn der Prüfer nach meiner Antwort kritisch nachbohrt?

Das ist normal. Der Prüfer will verstehen, wie du denkst. Das ist keine Kritik an dir – das ist eine Einladung, zu präzisieren oder zu vertiefen. Sag das, was du denkst, aber sei offen für Fragen.

Werden technische Fragen gestellt?

Nicht im Sinne von „Erkläre mir ein kompliziertes technisches Konzept." Aber du könntest gefragt werden, wie du einem Azubi ein technisches Konzept beibringen würdest. Das ist pädagogisch, nicht technisch.

Brauche ich für das Fachgespräch andere Unterlagen als für das Unterweisungsgespräch?

Nein, normalerweise nicht. Du brauchst deine Anmeldungsunterlagen und möglicherweise dein Handbuch oder deine Notizen, um auf dem gleichen Stand zu sein wie der Prüfer. Aber es sind keine speziellen Vorbereitungsmaterialien nötig.

Fazit

Das AEVO-Fachgespräch ist eine Möglichkeit, nicht eine Bedrohung. Es ist deine Chance, dem Prüfer zu zeigen, dass du verstanden hast, wie Ausbildung funktioniert und dass du bereit bist, Ausbilder zu sein. Der Prüfer is nicht dein Gegner – er ist eine Person, die überprüfen will, dass der nächste Azubi in guten Händen ist. Wenn du dich auf die Inhalte konzentrierst, wenn du dich mit schwierigen Situationen auseinandersetzt und wenn du in der Lage bist, dein Denken zu strukturieren, wirst du diese Prüfung meistern. Es ist nicht unmöglich. Es ist eine Herausforderung, aber eine, die zu schaffen ist.

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