Die praktische Prüfung des Ada-Scheins ist für viele das kritische Element. Sie wirkt einschüchternd, weil sie öffentlich stattfindet und echte Auszubildende anwesend sind. Aber wenn du weißt, was dich erwartet und wie du dich vorbeitest, verlierst du die Angst. Dieser Artikel zeigt dir den genauen Ablauf, wie die Prüfer bewerten, welche typischen Fehler passieren und wie du konkret trainierst. Am Ende wirst du die praktische Prüfung als das sehen, was sie wirklich ist: eine Chance, dein Können zu zeigen.
Was ist die praktische Prüfung genau?
Die praktische Prüfung ist das Herzstück des Ada-Scheins. Während die schriftliche Prüfung dein Wissen abfragt, zeigt die praktische Prüfung, dass du es wirklich anwenden kannst. Die praktische Prüfung besteht aus zwei Komponenten, die zusammen etwa eine Stunde dauern.
Die erste Komponente ist die Unterweisungsprobe. Du bereitest ein Unterrichtsthema vor, das aus deinem eigenen Beruf oder Ausbildungsbereich stammt, und führst eine kurze Schulungsstunde durch. Das Publikum besteht aus den Prüfern und meist auch aus echten Auszubildenden oder anderen Lernenden. Die Unterweisungsprobe dauert etwa 15 bis 30 Minuten, je nach Prüfungsgebiet und IHK.
Die zweite Komponente ist das Fachgespräch. Direkt nach der Unterweisungsprobe befragen dich die Prüfer etwa 15 bis 30 Minuten lang. Sie stellen Fragen zu deiner Unterweisungsprobe, aber auch zu den allgemeinen AEVO-Inhalten: Wie planst du Ausbildung? Wie beeurteilst du Auszubildende? Wie gehst du mit Problemen um? Das Fachgespräch soll sicherstellen, dass du nicht nur eine Stunde lang Unterricht geben kannst, sondern wirklich in allen vier AEVO-Handlungsfeldern fit bist.
Beide Komponenten werden von zwei oder drei Prüfern bewertet. Die Noten sind nicht einzeln, sondern gehen zusammen in die Bewertung der praktischen Prüfung ein. Du bestehst, wenn dein Gesamtergebnis ausreichend ist.
Aufbau: Unterweisungsprobe und Fachgespräch
Der zeitliche Ablauf ist strikte organisiert.
Ankunft und Vorbereitung: Du kommst etwa 30 Minuten vor deiner Unterweisungsprobe an. Du darfst den Raum sehen, in dem du unterrichten wirst, und kannst deine Materialien vorbereiten. Manche Prüfungen erlauben dir, die Tafel oder den Beamer zu testen; andere nicht. Erkundige dich vorher bei der IHK, was du mitbringen darfst und was bereitgestellt wird.
Die Unterweisungsprobe: Die Prüfer begrüßen dich formell und erklären den Ablauf. Dann beginnst du deine Unterweisungsstunde. Du unterrichtest wie ein normaler Lehrer: Du erklärst das Thema, gibst Beispiele, stellst Fragen, bindest die Lernenden ein. Die Prüfer sitzen am Rand und machen Notizen. Sie unterbrechen dich nicht, es sei denn, die Zeit ist um.
Das Fachgespräch: Nach der Unterweisungsprobe machen die Lernenden Pause, und die Prüfer befragen dich. Sie beginnen meist mit Fragen zu deiner Unterweisungsprobe: Warum hast du dieses Thema gewählt? Wie passt es in den Ausbildungsplan? Welche Lernziele hattest du? Dann gehen sie zu allgemeineren Fragen über.
Verabschiedung: Nach dem Gespräch bedanken sich die Prüfer bei dir, und du gehst. Die Prüfer teilen das Ergebnis nicht sofort mit; du erhältst es später schriftlich von der IHK.
Wie lange dauert die praktische Prüfung?
Die Gesamtdauer ist überschaubar. Die Unterweisungsprobe selbst dauert 15 bis 30 Minuten, meist aber etwa 20 Minuten. Das Fachgespräch dauert ebenfalls 15 bis 30 Minuten, oft etwa 25 Minuten. Zusammen brauchst du also etwa 45 Minuten bis eine Stunde für die praktische Prüfung.
Mit Wartezeiten, Vorbereitung und Paausen kann der Tag aber länger werden. Wenn mehrere Prüflinge an deinem Tag antreten, warte ich zwischen deiner Prüfung und der nächsten.
Die genaue Dauer hängt von deiner IHK ab. Einige IHKs haben strenge Zeitlimits (genau 20 Minuten Unterweisungsprobe, dann Stopp), andere sind flexibler. Erkundige dich vorher nach den genauen Zeiten.
Wie wähle ich das Thema für die Unterweisungsprobe?
Die Themenwahl ist entscheidend. Du wählst selbst, was du unterweisen wirst, und das ist dein großer Vorteil.
Kriterium 1: Aus deinem Beruf. Wähle ein Thema, das du wirklich kennst. Wenn du Kauffrau im Einzelhandel bist, unterweise etwas zum Kassensystem oder zum Kundenumgang. Wenn du Mechaniker bist, unterweise etwas zum Reifenwechsel oder zur Wartung. Die Prüfer sehen sofort, wenn du ein Thema vortäuschst.
Kriterium 2: Zeitlich in 20 bis 30 Minuten schaffbar. Wähle nicht ein riesiges Thema wie "Projektmanagement". Wähle etwas, das in deinem Zeitfenster realistisch durchzuführen ist. "Das Anfertigen einer Schraube" ist gut. "Grundlagen des Maschinenbaueingenieurwesens" ist zu breit.
Kriterium 3: Mit Praxisbezug und Lernzielen. Wähle etwas, das ein klares Lernziel hat und praktisch relevant ist. Die Prüfer wollen sehen, dass du nicht nur erzählst, sondern dass die Lernenden etwas Konkretes verstehen oder können lernen.
Kriterium 4: Etwas, das du mehrmals üben kannst. Wähle ein Thema, bei dem du trainieren kannst. Wenn dein Thema ein sehr spezieller Maschinentyp ist, den du nicht einfach wieder und wieder vorführen kannst, ist das ungünstig.
Mein Tipp: Wähle ein Basiskompetenz-Thema, das jeder in deinem Beruf regelmäßig unterrichtet. Das macht dich selbstsicher, weil du das Thema nicht nur einmal sondern hundertfach getan hast.
Was bewertet die IHK bei der Unterweisungsprobe?
Die Prüfer bewerten nach klaren Kriterien. Die AEVO gibt vor, was Ausbilder können müssen, und die Unterweisungsprobe zeigt, ob du es kannst.
Planung und Vorbereitung: Die Prüfer sehen sofort, ob du strukturiert vorgegangen bist. Hast du die Unterweisungsstunde logisch aufgebaut? Ist die Reihenfolge sinnvoll? Startest du mit einer Einleitung, die die Lernenden neugierig macht? Das zeigt Planung.
Unterrichtsgestaltung und Methodik: Wie bringst du den Stoff rüber? Redest du monoton, oder spannst du einen Spannungsbogen? Nutzt du Medien, Anschauungsmaterial, praktische Beispiele? Bindest du die Lernenden ein, oder hältst du nur Vorträge? Die Prüfer erwarten aktive Partizipation.
Fachliche Richtigkeit: Dein Stoff muss korrekt sein. Wenn du falsche Informationen vermittelst oder fachliche Fehler machst, merken das die Prüfer sofort.
Didaktische Fähigkeiten: Kannst du komplizierte Dinge verständlich erklären? Nutzt du Beispiele, Visualisierungen, Analogien? Passt du deine Erklärung an das Verständnis der Lernenden an?
Kommunikation und Körpersprache: Wie sprichst du mit den Lernenden? Sind du höflich, ermutigend, professionell? Wie ist deine Körperhaltung? Schaust du die Lernenden an? Stehst du unbewegt da oder bewegst du dich natürlich?
Klima und Motivation: Schaffen es die Lernenden, konzentriert zu arbeiten? Wirken sie motiviert oder gelangweilt? Das sagt auch etwas über deine Fähigkeit aus, eine lernfreundliche Atmosphäre zu schaffen.
Typische Fehler bei der Unterweisungsprobe
Viele Menschen machen bei der Unterweisungsprobe ähnliche Fehler. Wenn du diese kennst, kannst du sie vermeiden.
Fehler 1: Zu viel Stoff für zu wenig Zeit. Menschen nehmen sich vor, zu viel zu unterrichten, und hetzen dann durchs Material. Die Unterweisungsprobe wird zur Schnellsprecherei. Das wirkt gehetzt und unprofessionell. Besser: Weniger Stoff, aber gründlicher und anschaulicher.
Fehler 2: Keine Einleitung. Du fängst direkt mit dem Stoff an. Das ist langweilig. Besser: Beginne mit einer kurzen Einleitung, die die Relevanz des Themas zeigt und die Lernenden neugierig macht.
Fehler 3: Keine aktive Beteiligung der Lernenden. Du unterrichtest wie ein Professor im Hörsaal, hältst einen Vortrag, stellst keine Fragen. Die Lernenden sitzen passiv da. Besser: Stelle Fragen, lass die Lernenden einzeln antworten, bindet sie in Übungen ein.
Fehler 4: Schlechte oder fehlende Visualisierung. Du beschreibst etwas nur mündlich, ohne es zu zeigen. Die Lernenden können sich nichts darunter vorstellen. Besser: Nutze die Tafel, Flipchart, Beamer, oder noch besser: zeige praktische Gegenstände oder Modelle.
Fehler 5: Zu viel Text an der Tafel. Du schreibst ganze Sätze an die Tafel, und die Lernenden sitzen da und lesen mit, statt zuzuhören. Besser: Nutze Stichpunkte und Visualisierungen, nicht Textblöcke.
Fehler 6: Nervosität und Versteifung. Deine Nervosität überträgt sich auf die Lernenden. Du sprichst zu schnell, machst lange Pausen, oder wirkst angespannt. Besser: Atemübungen vor der Prüfung, innerlich sagen: "Das kenne ich, das beherrsche ich."
Fehler 7: Keine Lernerfolgskontrolle. Du erklärst, erklärst, erklärst, aber fragst nie nach, ob die Lernenden es verstanden haben. Besser: Am Ende kurz überprüfen, ob die Lernziele erreicht wurden.
Das Fachgespräch: Was wird gefragt?
Das Fachgespräch prüft, ob du nicht nur eine Stunde unterrichten kannst, sondern ob du wirklich als Ausbilder geeignet bist.
Fragen zur Unterweisungsprobe: Warum hast du dieses Thema gewählt? Welche Lernziele hattest du? Wie passt dieses Thema in den Ausbildungsplan? Welche Voraussetzungen haben die Auszubildenden mitgebracht? Wie hast du überprüft, dass die Lernziele erreicht wurden?
Fragen zur Ausbildungsplanung: Wie planst du die gesamte Ausbildung eines Auszubildenden? Wie erstellst du einen Ausbildungsplan? Wie orientiert sich ein Ausbildungsplan an der Ausbildungsordnung?
Fragen zur Ausbildungsdurchführung: Wie motivierst du Auszubildende? Wie gehst du mit unmotivierten oder schwachen Auszubildenden um? Wie nutzt du unterschiedliche Lernmethoden (Vier-Stufen-Methode, Projekt-basiertes Lernen, etc.)?
Fragen zur Beratung und Betreuung: Wie betreust du Auszubildende, wenn sie Probleme haben? Wie gehst du mit Konflikten um? Wie führst du Bewerbungsgespräche mit angehenden Auszubildenden?
Fragen zur Kontrolle und Beurteilung: Wie bewertest du einen Auszubildenden? Wie erstellst du ein Ausbildungszeugnis? Was machst du, wenn ein Auszubildender die Prüfung nicht besteht?
Die Fragen sind offen formuliert, nicht Multiple Choice. Die Prüfer wollen lange Antworten hören, nicht ja-nein-Antworten.
Wie bereite ich mich konkret vor?
Die Vorbereitung ist das A und O.
Schritt 1: Thema aussuchen und Unterweisungsstunde schreiben. Wähle dein Thema, überlege dir einen Stundenablauf und schreibe eine kurze Notiz auf (max. eine Seite). Notiere: Lernziele, zeitlicher Ablauf (Einleitung - 2 Min, Hauptteil 1 - 5 Min, Übung - 8 Min, Zusammenfassung - 3 Min), Materialien, Fragen für die Lernenden.
Schritt 2: Unterweisungsstunde mehrmals durchführen. Führe deine Unterweisungsstunde mindestens 5 bis 10 Mal vor echten oder imaginären Auszubildenden durch. Freunde, Familie, Arbeitskollegen tun es. Lass sie im Anschluss Feedback geben. War es verständlich? Zu schnell? Zu langsam?
Schritt 3: Video aufnehmen und sich selbst anschauen. Nimm deine Unterweisungsstunde mit dem Handy auf und schau sie dir an. Das ist unangenehm, aber effektiv. Du siehst deine Satzzeichen, deine Mimik, wie oft du umherwanderst, wie lange du paused machst.
Schritt 4: AEVO-Inhalte lernen. Lerne die vier Handlungsfelder der AEVO in und auswendig. Was ist ein Ausbildungsplan? Wie funktioniert die Vier-Stufen-Methode? Wie erstellst du ein Ausbildungszeugnis? Bei welchen Problemen mit Auszubildenden ist die IHK einzuschalten?
Schritt 5: Mögliche Fachgespräch-Fragen durchspielen. Lass einen Freund oder Trainer dir typische Fachgespräch-Fragen stellen und antworte laut. Das trainiert deine Sicherheit und deine Sprechfähigkeit.
Schritt 6: Material vorbereiten. Wenn du etwas demonstrierst, bereite alle Materialien vor. Funktionieren die Geräte? Sind alle Materialien vorhanden? Können die Lernenden alles sehen?
Durchfallgründe und wie man sie vermeidet
Warum fallen Menschen in der praktischen Prüfung durch?
Grund 1: Zu wenig oder zu viel fachliches Wissen. Die Unterweisungsprobe zeigt fachliche Fehler schnell. Wenn du Falsch-Informationen vermittelst, merken das die Prüfer. Abhilfe: Dein Thema perfekt beherrschen. Es ist egal, welches Thema du wählst, solange du es perfekt beherrschst.
Grund 2: Schlechte Unterrichtsgestaltung. Die Stunde ist unstrukturiert, langweilig, die Lernenden verstehen nichts. Abhilfe: Eine klare Struktur (Einleitung, Hauptteil, Übung, Zusammenfassung), aktive Partizipation, anschauliche Erklärungen.
Grund 3: Nervosität und Verkrampfung. Die Person ist so nervös, dass sie nicht sprechen kann, Sätze nicht zu Ende spricht, zittert oder weint. Abhilfe: Viel trainieren, damit du automatisch gut wirst. Atemübungen, inneres Selbstgespräch, sich selbst ermutigen.
Grund 4: Mangelndes Wissen in der schriftlichen Prüfung oder beim Fachgespräch. Du bestehst die Unterweisungsprobe, schaffst aber nicht die Gesamtbewertung, weil dein theoretisches Wissen in der schriftlichen Prüfung oder dem Fachgespräch nicht ausreicht. Abhilfe: Gründlich die AEVO-Inhalte lernen, nicht nur oberflächlich.
Grund 5: Nicht bestanden in der schriftlichen Prüfung. Manche Menschen bestehen die praktische Prüfung gut, aber die schriftliche nicht. Die Gesamtbewertung reicht nicht. Abhilfe: Schriftliche und praktische Prüfung gleich ernst nehmen.
FAQ
Kann ich mein Thema für die Unterweisungsprobe ändern, wenn es zu schwierig wird?
Du meldest dein Thema vorher bei der IHK an. Das kannst du noch ändern, aber es gibt Fristen. Erkundige dich, wie lange du dein Thema ändern kannst. Kurz vor der Prüfung ist eine Änderung meist nicht mehr möglich.
Darf ich Notizen bei der Unterweisungsprobe nutzen?
Das variiert je nach IHK. Manche erlauben Karteikarten oder Stichpunkte, andere nicht. Erkundige dich vorher bei deiner IHK. Der beste Fall: Du brauchst keine Notizen, weil du dein Thema so gut kennst, dass es automatisch läuft.
Was, wenn ich während der Unterweisungsprobe einen Fehler mache?
Bleib ruhig und mach weiter. Die Prüfer erwarten nicht Perfektion. Wenn du merkst, dass du etwas Falsches gesagt hast, kannst du es kurz korrigieren und weitergehen. Das wirkt professionell.
Wie lange nach der schriftlichen Prüfung ist die praktische Prüfung?
Meist etwa 4 bis 8 Wochen später. Die schriftliche Prüfung wird bewertet, dann werden die Termine für die praktischen Prüfungen vergeben. Früh buchen ist sinnvoll, wenn du einen bestimmten Termin möchtest.
Bestehe ich die praktische Prüfung auch, wenn die schriftliche nicht perfekt war?
Ja. Beide Teile werden zusammen bewertet, aber es ist möglich, dass du eine Schwäche in einem Bereich durch eine Stärke in einem anderen ausgleichst. Ein sehr gutes Fachgespräch kann eine schwächere schriftliche Prüfung ein wenig ausgleichen, aber nicht umgekehrt.
Fazit
Die praktische Prüfung ist nicht das Schreckgespenst, das viele sehen. Sie ist eine Chance, zu zeigen, dass du wirklich als Ausbilder geeignet bist. Die Unterweisungsprobe und das Fachgespräch folgen klaren Mustern, die du kennen und trainieren kannst. Wenn du dein Thema gründlich vorbereitest, mehrmals vor echtem Publikum übst, deine Nervosität in Griff bekommst und die AEVO-Inhalte beherrschst, wirst du die praktische Prüfung mit großer Wahrscheinlichkeit bestehen. Die beste Vorbereitung ist nicht angespanntes Lernen, sondern entspanntes, wiederholtes Training. Je mehr du übst, desto sicherer wirst du, und desto besser wird deine Prüfung.





