
Die Ausbildereignungsprüfung ist um vier Handlungsfelder aufgebaut. Diese sind nicht willkürlich gewählt - sie spiegeln die realen Aufgaben eines Ausbilders wider. Wenn du die vier Felder verstehst, hast du nicht nur eine bessere Chance auf Prüfungserfolg, sondern auch ein klareres Bild davon, was dein Job als Ausbilder bedeutet.
Dieser Artikel erklärt dir jedes Handlungsfeld im Detail und zeigt dir, wie du damit in der Prüfung umgehen solltest.
Was sind die Handlungsfelder beim Ada-Schein?
Die vier Handlungsfelder sind im Grunde eine Gliederung des gesamten Ausbildungsprozesses vom Anfang bis zum Ende. Sie folgen der zeitlichen Abfolge einer Ausbildung und decken alle wesentlichen Aufgaben eines Ausbilders ab.
Die Verordnung (AEVO) von 2009 hat diese vier Felder definiert und sie ersetzen die älteren Lernziele. Die vier Handlungsfelder sind bindend für die Prüfung. Jedes wird in der schriftlichen Prüfung mit etwa 15 Fragen vertreten, und in der praktischen Prüfung musst du eine Situation bewältigen, die mindestens einem Handlungsfeld zuzuordnen ist.
Handlungsfeld 1: Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und planen
Das erste Handlungsfeld ist sozusagen die Vorbereitung. Bevor du jemanden ausbildest, musst du klären: Passt dieser Beruf zu diesem Menschen? Hat das Unternehmen die Voraussetzungen? Was will ich mit der Ausbildung erreichen?
Konkret umfasst dieses Handlungsfeld vier Kernthemen. Erstens die Feststellung von Eignung und Berufseignung. Das bedeutet: Welche Anforderungen stellt der Beruf? Welche Eigenschaften und Fähigkeiten muss ein Azubi mitbringen? Zu diesem Punkt gehört auch die Analyse: Ist der Kandidat geeignet?
Zweitens geht es um die Ausbildungsordnung und den Ausbildungsplan. Die Ausbildungsordnung ist ein bindender Lehrplan, der bundesweit für jeden anerkannten Beruf existiert. Es ist nicht deine Aufgabe, diese zu erfinden - aber du musst sie kennen, verstehen und danach planen. Der Ausbildungsplan ist dein konkreter Plan für den einzelnen Lehrling: Welche Inhalte wann?
Drittens sind es rechtliche Grundlagen. Du musst wissen, was das Berufsbildungsgesetz (BBiG) regelt, welche Verbote es gibt, welche Versicherung und Fürsorgepflicht du hast. Auch Besonderheiten wie Ausbildungsverträge und deren Inhalte gehören dazu.
Viertens geht es um die Betriebsausstattung und -organisation. Hast du im Betrieb geeignete Ausbildungsstätten? Welche Einrichtungen brauchst du? Wie integriere ich Berufsschule und Betrieb?
In der Prüfung sind Fragen zu diesem Feld meist analytisch: Dir wird eine Situation gegeben, und du musst analysieren, ob die Voraussetzungen erfüllt sind oder was fehlt.
Handlungsfeld 2: Ausbildung vorbereiten und durchführen
Das zweite Handlungsfeld ist der Kern der praktischen Ausbildertätigkeit. Hier geht es um die konkrete Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten.
Das Feld umfasst mehrere Aspekte. Erstens die Ausbildungsmethoden und -mittel. Es gibt verschiedene Methoden, Inhalte zu vermitteln: die klassische Vier-Schritt-Methode (Vorbereitung, Erklären, Nachmachen, Üben), Projektmethode, Fallmethode und andere. Du musst wissen, welche Methode zu welcher Situation passt.
Zweitens sind es die Ausbildungsmittel und die Gestaltung von Lernaufgaben. Du brauchst richtige Werkzeuge, Maschinen, aber auch Skripte, Videos, Aufgabenkarten. Wie gestaltets du eine gute Aufgabe, die der Azubi alleine oder in Gruppen bearbeiten kann?
Drittens geht es um Motivation und Lernklima. Ein gutes Ausbildungsumfeld ist wesentlich. Wie schaffst du ein Klima, in dem der Azubi lernen will? Wie erkennst du seine Stärken und Schwächen?
Viertens sind es Kommunikation und Anleitungsgespräche. Gute Ausbilder sind auch gute Gesprächspartner. Sie können erklären, zuhören und Feedback geben.
Fünftens gehört auch die Durchführung von Ausbildungseinheiten dazu. Die praktische Prüfung konzentriert sich auf dieses Feld: Du führst eine real Unterweisung durch und zeigst, dass du diese Kompetenzen beherrschst.
Handlungsfeld 3: Ausbildung überwachen und fördern
Das dritte Handlungsfeld behandelt die kontinuierliche Begleitung und Unterstützung während der Ausbildung.
Erstens geht es um die Überwachung des Ausbildungsverlaufs. Du dokumentierst Fortschritte, erkennst, ob der Azubi dem Plan folgt. Außerdem überwachst du die Einhaltung von Regeln und Sicherheit. Das ist auch eine Verantwortung des Ausbilders.
Zweitens sind es Maßnahmen bei Lerndefiziten. Nicht jeder Azubi lernt gleich schnell. Was machst du, wenn jemand in Mathematik schwach ist? Wie erkennst du, dass jemand mit Angst oder Müdigkeit kämpft? Wie förderst du ihn?
Drittens geht es um spezielle Lebenssituationen. Ein Azubi könnte aus einem schwierigen Familienumfeld kommen, könnte Migrationshintergrund haben, könnte behindert sein. Wie gehst du mit Vielfalt um? Wie gestaltest du Ausbildung inklusiv und fair?
Viertens sind es zwischenmenschliche Aspekte: Konflikte lösen, Motivation aufrechterhalten, Respekt und Fairness zeigen. Diese „soft skills" sind genauso wichtig wie Fachkompetenz.
Fünftens gehört die Zusammenarbeit mit anderen dazu: mit der Berufsschule, mit Eltern, mit externen Stellen. Du bist nicht allein mit dem Azubi - es gibt ein Netzwerk.
Handlungsfeld 4: Ausbildung abschließen und bewerten
Das vierte Handlungsfeld konzentriert sich auf das Ende der Ausbildung und die Bewertung.
Erstens ist es die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung. Der Azubi muss bereit sein. Du bereitest ihn gezielt vor, wiederholst Inhalte und gibst ihm Sicherheit.
Zweitens ist es die Bewertung der Leistung während der Ausbildung. Das ist nicht nur die Abschlussnote - es ist auch die kontinuierliche Bewertung während der drei Jahre. Wie bewertest du fair? Wie dokumentierst du die Entwicklung?
Drittens sind es Ergebnisse und Leistungsfeststellung. Am Ende der Ausbildung wird der Azubi von der zuständigen Stelle geprüft (Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer). Dein Job ist, dass er gut vorbereitet ist.
Viertens gehört auch die Beratung zur Übernahme dazu. Wenn der Azubi erfolgreich war, übernimmt ihn der Betrieb vielleicht als Arbeitnehmer. Das ist ein wichtiges Gespräch. Aber auch wenn es nicht zur Übernahme kommt, hast du eine Beratungsaufgabe: Wo kann der junge Mensch einen Job finden?
Fünftens ist es auch Reflection und Dokumentation. Du schreibst ein Ausbildungszeugnis, in dem du fair und aussagekräftig die Leistungen und Verhaltensweisen beschreibst.





