
Online-Unterricht ist überall normal geworden. Das wirft eine natürliche Frage auf: Kann ich meinen Ausbilderschein auch komplett online machen? Die Antwort ist: Teils. Dieser Artikel erklärt dir, was online möglich ist, was nicht, und wie du einen sinnvollen Online-Weg gehst. Damit vermeidest du Missverständnisse und wählst das Format, das wirklich zu dir passt.
Ist der Ausbilderschein komplett online möglich?
Nein, der Ausbilderschein kann nicht komplett online absolviert werden. Das ist eine wichtige Klarstellung, die viele Menschen enttäuscht.
Die Theorie kann online gelernt werden. Die schriftliche Prüfung kann online abgelegt werden (an manchen IHKs ist das möglich). Aber die praktische Prüfung muss in Präsenz stattfinden. Das ist nicht Sache der Kursanbieter, sondern Gesetz: Die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) und die Prüfungsrichtlinien schreiben vor, dass die praktische Prüfung vor Ort stattfinden muss. Du musst also mindestens zur praktischen Prüfung zur IHK reisen.
Manche Online-Anbieter werben damit, dass du "alles online" machen kannst. Das ist irreführend. Sie meinen: "Den Kurs können wir online anbieten, aber die Prüfung musst du vor Ort machen."
Realität: Du machst den Kurs online, trainierst deine Unterweisungsprobe über Video, lernst die Theorie digital, aber irgendwann musst du zur IHK kommen und die praktische Prüfung vor Ort ablegen.
Was geht online, was muss in Präsenz stattfinden?
Lass mich es konkret aufschlüsseln.
Online möglich: Der theoretische Unterricht (Vorträge, Diskussionen, Gruppenarbeit per Videokonferenz), das Lernen von AEVO-Inhalten (über Videos, Skripte, Quizzes), das Trainieren von Unterweisungsprobe vor der Kamera (mit Feedback vom Trainer per Video), die Vorbereitung auf das Fachgespräch (Fragen stellen und beantworten per Video), digitale Lernmaterialien und Tests online.
Präsenz erforderlich: Die praktische Prüfung selbst (Unterweisungsprobe und Fachgespräch müssen vor Ort stattfinden), eventuelle Praxis-Übungen mit echten Auszubildenden (wenn der Kurs das vorsieht, nur vor Ort möglich).
Die schriftliche Prüfung kann bei manchen IHKs online abgelegt werden, aber das ist von Kammer zu Kammer unterschiedlich. Erkundige dich bei deiner zuständigen IHK, ob sie die schriftliche Prüfung remote anbietet.
Wie funktioniert ein Online-Vorbereitungskurs?
Ein guter Online-Kurs ist nicht einfach nur ein YouTube-Video. Das ist die Unterscheidung, die viele nicht treffen.
Schlechter Online-Kurs (reine Selbstlernplattform): Du bekommst Video-Lektionen, PDF-Skripte und Übungsaufgaben. Es gibt keinen Live-Unterricht, keinen direkten Kontakt zum Trainer, keine Rückmeldung zu deinen Arbeiten. Du lernst allein, im eigenen Tempo. Diese Kurse sind billig (100 bis 300 Euro), erfordern aber extreme Selbstdisziplin.
Guter Online-Kurs (mit Betreuung): Es gibt Live-Webinare, in denen ein Trainer mit dir und anderen Kursteilnehmern Inhalte durchspricht. Du kannst Fragen stellen. Es gibt Aufgaben, und der Trainer gibt dir Feedback. Es gibt sogar Möglichkeiten, deine Unterweisungsprobe vor der Kamera aufzunehmen, und der Trainer bespricht mit dir, was gut war und was nicht. Diese Kurse kosten mehr (400 bis 800 Euro), sind aber deutlich besser.
Hybrid-Kurs: Es gibt sowohl Live-Webinare als auch aufgezeichnete Videos. Du kannst Live-Sessions besuchen, wenn du Zeit hast, oder später die Aufzeichnungen anschauen. Die Qualität ist meist gut, und der Preis liegt dazwischen (300 bis 600 Euro).
Die beste Online-Vorbereitung kombiniert mehrere Elemente: Video-Lektionen zum Lernen in deinem Tempo, Live-Webinare zum Austausch und Klären von Fragen, schriftliche Aufgaben mit Feedback, und mindestens ein oder zwei Termine, an denen du deine Unterweisungsprobe vor der Kamera aufzeichnest und Feedback bekommst.
Unterschied: Selbststudium vs. betreuter Online-Kurs
Es ist wichtig, diese zwei Wege zu unterscheiden, weil sie vollkommen unterschiedliche Chancen auf Erfolg haben.
Reines Selbststudium: Du kaufst dir Lehrbücher und Lernmaterial (insgesamt 100 bis 200 Euro), setzt dich hin und lernst allein. Es gibt keinen Trainer, keine Struktur, keine Rückmeldung. Die Voraussetzung für Erfolg: Du musst extrem selbstdiszipliniert sein, und es hilft, wenn du gutes Lernmaterial und vielleicht YouTube-Videos findest, die dir helfen.
Erfolgsquote beim reinen Selbststudium: Etwa 40 bis 50 Prozent schaffen die Prüfung beim ersten Mal. Das ist niedrig. Viele geben auf, weil sie nicht wissen, ob sie auf dem richtigen Weg sind.
Betreuter Online-Kurs: Du nimmst an einem strukturierten Kurs teil, mit Trainer, Unterrichtsplan, Aufgaben, Feedback. Der Trainer weist dich auf wichtige Punkte hin, die bei der Prüfung drankosmell. Du kannst Fragen stellen, wenn du etwas nicht verstehst. Der Trainer trainiert mit dir die praktische Prüfung.
Erfolgsquote bei betreuten Kursen: Etwa 75 bis 85 Prozent schaffen die Prüfung beim ersten Mal. Das ist deutlich höher.
Mein klare Empfehlung: Wenn du die finanziellen Mittel hast, nimm einen betreuten Kurs. Die Quote ist einfach viel höher. Die paar hundert Euro mehr sind eine gute Investition.
Für wen eignet sich der Online-Weg?
Der Online-Weg ist nicht für jeden sinnvoll. Lass mich die Zielgruppe beschreiben.
Der Online-Weg eignet sich für dich, wenn: Du beruflich zeitlich sehr eingespannt bist und keine festen Abendtermine wahrnehmen kannst. Du wohnst weit weg von einer guten Schule und hast lange Fahrtzeiten. Du lernst lieber allein, im eigenen Tempo, als in Gruppen. Du hast gutes Selbstmanagement und schaffst es, dich selbst zu motivieren. Du brauchst flexible Zeiten, um zu lernen.
Der Online-Weg eignet sich nicht für dich, wenn: Du brauchst Struktur und äußere Disziplin, um zu lernen. Du lernst besser in der Gruppe und mit mündlichen Diskussionen. Du hast viele Fragen und brauchst sofortiges Feedback. Du schaffst es schwer, dich selbst zu motivieren, wenn nicht jemand dich "zwingt". Du lernst lieber mit vielen praktischen Übungen, nicht mit Videos.
Wenn du zur zweiten Gruppe gehörst, würde ich dir einen Präsenzkurs empfehlen, auch wenn die Fahrt weitistiger ist. Die bessere Betreuung zahlt sich aus.
Zeitplanung für Berufstätige beim Online-Lernen
Einer der Vorteile von Online-Kursen ist die Flexibilität. Aber das heißt nicht, dass du keine Zeit brauchst. Du brauchst sie sogar.
Zeitaufwand für einen betreuten Online-Kurs: Ein vierwöchiger Kurs mit zwei Live-Webinaren pro Woche (je 2 Stunden) erfordert etwa 2 bis 3 Stunden Selbststudium pro Woche, plus die Live-Sessions. Gesamt: etwa 8 bis 10 Stunden pro Woche. Das ist zu schaffen, wenn du berufstätig bist, aber es erfordert Disziplin.
Realistische Planung: Plane so, dass du die Live-Sessions besuchen kannst (sie sind wichtig), oder dass du die Aufzeichnungen später anschauen kannst. Plane täglich etwa 30 bis 60 Minuten Selbststudium. Plane ein bis zwei Wochenenden für intensivere Lernblöcke oder für das Training der Unterweisungsprobe.
Tipp: Die beste Zeit zum Online-Lernen ist oft früh morgens vor der Arbeit (30 bis 45 Minuten) oder abends nach der Arbeit (noch mal 30 bis 45 Minuten). Wochenenden sind für längere Lerneinheiten sinnvoll. Diese Routine macht es einfacher, nicht schlüssig zu werden.
Warnung: Manche Menschen sagen: "Ich mache den Online-Kurs in meiner Freizeit." Aber wenn es keine geplanten Zeiten gibt, wird aus "irgendwann" schnell "nie". Planung ist notwendig.





